Überfüllungen und Unterfüllungen für den Textilsiebdruck mit CorelDRAW

Von Richard Reilly
freiberuflicher Grafikdesigner und CorelDRAW-Meister


Die Farbüberfüllung ist ein wichtiges Element in der Branche der Bekleidungsdekoration (Siebdruck), aber auch in der gesamten Druckbranche. In den meisten Fällen erwarten Siebdrucker von den Designern, dass sie mit ihren Designs präzise Farbseparationen mit Überfüllungen und Unterfüllungen liefern. Ziel von Farbüberfüllungen ist es, Druckungenauigkeiten wie beispielsweise Passerprobleme zu vermeiden. Eines der am meisten zu beobachtenden Probleme im Bereich des Textilsiebdrucks ist die mangelhafte Deckungsungleichheit der Farben, was dazu führt, dass der Weiß-Unterdruck (Weißdruck zum Bedrucken dunkler Textilien) an Stellen sichtbar ist, wo er nicht sichtbar sein sollte.

Ein Verständnis der Farbüberfüllung und ihrer verschiedenen Nutzungsmethoden stellt nicht nur sicher, dass ihre Drucke korrekt sind, sondern vereinfacht auch das Setup und beschleunigt in vielen Fällen die gesamte Produktion.

In CorelDRAW können Überfüllungen und Unterfüllungen auf verschiedene Weisen erzeugt werden: direkt im Dokument an den einzelnen Objekten, auf der Registerkarte Auszüge im Listenfeld Dokumentüberdruckungen oder mithilfe der Option Automatische Farbüberlappung im Dialogfeld Drucken. Weitere Informationen zu Farbüberfüllungen bzw. Farbüberlappungen finden Sie im CorelDRAW-Benutzerhandbuch.

Die grundlegenden Verfahren sind Überdrucken, Unterfüllen und Überfüllen. Hinweis: Für Überfüllungen wird oft auch der Ausdruck Trapping benutzt.

  • Beim Überdrucken wird ein Objekt oder eine Farbe direkt über eine andere gedruckt.
  • Beim Überfüllen wird an den Objekträndern, wo das Objekt aus dem darunter liegenden Objekt ausgeschnitten wird, eine dünne Linie (Umrisslinie) hinzugefügt. Die Überfüllung überdruckt die darunter liegenden Objekte. Im Wesentlichen wird dem oberen Objekt eine Umrisslinie hinzugefügt, um es zu vergrößern.
  • Beim Unterfüllen wird dem darunter liegenden Objekt eine schmale Umrisslinie zugewiesen, sodass das das obere Objekt, das darunter liegende Objekte bzw. die darunter liegende Farbe überdruckt. Im Prinzip wird dem unteren Objekt eine Umrisslinie zugewiesen, damit es größer gedruckt wird als das ursprüngliche Objekt.

Durch die manuelle Erzeugung von Überfüllungen bei der Erstellung der Objekte, können Sie sicherstellen, dass präzise Separationen für den Siebdrucker erzeugt werden. Aber manchmal kann es vorkommen, dass man bei der Gestaltung der Objekte vergisst, Überfüllungen oder Unterfüllungen hinzuzufügen, oder dass es aufgrund der unterschiedlichen Größe der Elemente im Design nicht möglich ist, allgemein gleich große Überfüllungen und Unterfüllungen zu verwenden. Dann müssen die Farbseparationen und Über- bzw. Unterfüllungen manuell erzeugt werden. Schmale Serifenschriften gestatten unter Umständen keine 0.5-breiten Unterfüllungen, während andere Elemente im Design eine 0.75-breite Unterfüllung oder Überfüllung rechtfertigen.

Abb. 3 zeigt ganz links die Seitenansicht eines Elements, bei dem die Farben bzw. Objekte bündig übereinander angeordnet sind. In der Mitte ist eine Überfüllung zu sehen, bei der die obere Farbe eine Umrisslinie aufweist, wodurch die obere Farbe etwas über die darunter liegende Farbe hinausragt. Und rechts ist eine Unterfüllung zu sehen, bei der die darunter liegende Farbe eine weiße Umrisslinie aufweist, wodurch sie etwas schmaler ist als die Farbe bzw. das Objekt darüber.

Im Folgenden wird Ihnen Schritt für Schritt erläutert, wie Sie in CorelDRAW einer manuellen Separation Überfüllungen und Unterfüllungen zuweisen. Wir werden einem einfachen Schmuckfarben-Design Überfüllungen und Unterfüllungen hinzufügen. Das Design soll auf dunkle T-Shirts gedruckt werden. Dazu wird ein Weiß-Unterdruck (Weißdruck) benötigt, im Druck soll jedoch kein Weiß zu sehen sein.

Schritt 1: Erstellen Sie Ihr Design und legen Sie die endgültige Druckgröße fest.

Schritt 2: Fügen Sie die Registriermarken und Farbkalibrierungsbalken (Druckfarben) ein.

Schritt 3: Erstellen Sie für jede zu druckende Farbe ein Duplikat des Designs oder kopieren Sie das Design und fügen Sie es für jede zu druckende Farbe auf eine neue Seite ein.

Schritt 4: Werden im Design Halbtöne verwendet, konvertieren Sie jede Farbplatte in Schwarzweiß oder Graustufen.

Schritt 5:

  • Weisen Sie allen Objekten auf der weißen Platte einen weißen Umriss zu (Weißdruck oder Separation). Dadurch wird das Weiße etwas kleiner, sodass die oberen Farben den gesamten Weiß-Unterdruck decken. Dieses Verfahren wird Unterfüllen genannt.
  • Weisen Sie den oberen Farben einen schwarzen Umriss zu (Platten oder Separationen)

Aufgrund der Objekteigenschaften oder der Art und Weise, wie die Objekte im Design übereinander angeordnet sind, können Sie in einigen Fällen nur eines der beiden Verfahren anwenden: eine Unterfüllung oder eine Überfüllung. Auch das Verfahren, die Druckmaschine und die Druckfarben werden eine Rolle spielen bei der Wahl der Methode und ob sowohl Unterfüllungen als auch Überfüllungen gerechtfertigt sind. Mit ein wenig Ausprobieren und Üben wird im Prinzip jeder ein guter „Farbseparator“.

Im unten stehenden Diagramm werden die Umrisse in der Farbe der Platte gezeigt. Bei manuellen Separationen würden Sie schwarze oder weiße Umrisse für die Unterfüllungen bzw. Überfüllungen verwenden.

Schritt 6: Nun können Sie die Separationen auf Film drucken mit der Gewissheit, dass der Druck so ausfällt, wie erwartet, und dass es keine Passerprobleme geben sollte.